Machen oder geschehen lassen: Eine Gratwanderung

von Andreas von Oertzen

Es kann sich vorübergehend unsicher anfühlen, auf die Intelligenz der Organisation zu vertrauen und das Steuerrad - die Kontrolle - ein Stück weit loszulassen.

Als Manager hatte ich, so wie die meisten meiner Kollegen, immer einen Plan. Er ließ mich glauben, stets genau zu wissen, wohin die Reise geht und gehen muss. Entsprechend „steuerte“ ich manchmal zu viel. Ich griff zu viel ein.

Selten gehen Pläne ganz auf. Wie oft hingegen müssen sie schon nach kürzester Zeit wieder korrigiert werden! Warum?

Wir unterschätzen das Potenzial, das sich erst entfaltet, wenn das permanente Steuern mal eine Pause hat.

Wenn beispielsweise

- alle Beteiligten einbringen dürfen, was sie mitbringen,

- jeder jedem einmal vorbehaltslos zuhört,

- ein Moment der Stille einkehren darf, nachdem alle Meinungen, Erfahrungen, Haltungen genannt wurden und auf dem Tisch liegen.

Das sind Momente, innerhalb derer unerwartete Durchbrüche geschehen. Momente, in denen etwas Neues emergieren kann.

Dazu braucht es eine Lücke. Einen Moment der Stille, des Vertrauens, der Entspannung, der Leere, des sich-einlassens, des „Wir“.

Es braucht Momente des Mutes.

Denn für unsere Aufmerksamkeit erscheint ein solcher Moment des Nicht-Wissens zunächst sehr unsicher.

Zurück

Einen Kommentar schreiben